03.02.2021

Ein Mann, der Menschen das Leben schenkt, die anderen das Leben nehmen

Ein Gastbeitrag von Mina Kaderi
Digitaler Storytellingworkshop. Heidelberger Professor Dr. Rainer Nübel im Gespräch mit Drehbuchautor Jürgen Werner

Der renommierte Drehbuchautor Jürgen Werner hat schon viele Drehbücher geschrieben, unter anderem auch für den „Tatort“. Er hat Geschichten entwickelt, Charakteren das Leben geschenkt und über das Schicksal vieler entschieden.
Doch wie plant man ihn, einen Mord? Was sind die Motive des Täters? Wie wählt er sein Opfer? Wie schreibt man über das Töten anderer? All diese Fragen hat uns Jürgen Werner in einem digitalen Storytelling-Workshop des Studiengangs Medien- und Kommunikationsmanagement (B.A.) beantwortet.

„If you want to be a writer, write”- das ist Jürgen Werners Motto. Das hört sich für viele sehr simpel an, besonders wenn man dasitzt und es gerade mal so geschafft hat, innerhalb von fünf Stunden drei Sätze niederzuschreiben. Wer kennt ihn nicht, den berühmten Writersblock?! Wir alle haben ihn schon mal erlebt, ob beim Schreiben einer Hausarbeit für die Hochschule, beim Entwickeln einer Geschichte oder einem einfachen Tagebucheintrag. Oft tendieren wir menschlichen Wesen dazu zu denken, manchmal sogar zu viel. Manchmal überanalysieren wir die kleinsten Dinge so sehr, dass unser Gehirn so sehr raucht und wir einen gedanklichen Kurzschluss erleiden – einen Blackout.

Was tun bei einer Schreibblockade?

In solchen Situationen versucht Jürgen Werner den Kopf freizubekommen. Zunächst sucht er nach dem Problem. Oftmals liegt es daran, dass die Geschichte Lücken aufweist und Dinge keinen Sinn ergeben. Was für viele Autoren zu mühselig und anstrengend ist, könnte Jürgen Werners Erfolgsgeheimnis sein. Er geht nochmal zurück an den Anfang. Von dort an geht er Schritt für Schritt den Handlungsstrang durch und überarbeitet seinen Text. Werners Meinung nach ist das ein aufwändiger Prozess, der sich aber lohnt. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann geht er duschen.

 

Den Charakter Deines Protagonisten leben.

Jürgen Werner hat mit dem Töten anderer Menschen keinerlei echte Lebenserfahrung. Dennoch kreiert er Mörder. Dabei beginnt er in der Ich-Form. Er versucht sich in den Charakter hineinzuversetzen, den Charakter zu leben und seine Denkweise zu adaptieren. Dies hilft ihm dabei, Motive für die Morde zu finden, und den Charakter, die Geschichte zu leben. Warum möchte ich ihn umbringen? Das ist der Beginn einer jeden guten Krimi-Geschichte.

Junge Nachwuchsautorinnen und Nachwuchsautoren möchte er gern auf die Realität vorbereiten und sie nicht in einer Geschichte leben lassen. Besonders in der Anfangszeit muss man mit viel externer Kritik umgehen können. Das soll einen jedoch nicht entmutigen, sondern motivieren, weiterzuschreiben und an sich zu arbeiten. Die Zeit wird kommen und bis dahin einfach schreiben.

 

Der Workshop wurde von Prof. Dr. Rainer Nübel initiiert. Er war an Medien- und Kommunikationsstudierende der Hochschule Fresenius Heidelberg gerichtet, stand aber auch interessierten Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften im Kontext des Projekts „ZUKUNFT. Denken. Lernen. Gestalten“ offen.

Zur Autorin:

Mina Kaderi studiert Medien- und Kommunikationsmanagement (B.A.) im zweiten Semester.

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