06.12.2019

Die Albrechts über „Digitalisierung und Ethik“ an der Hochschule Fresenius in Köln

News
Dr. und Dr. Albrecht.

Dr. und Dr. Albrecht.

Am Montag, den 25.11.2019, erhielten die Studierenden des Masterstudiengangs Digital Psychology (M.Sc.) einen interessanten Besuch. Im Rahmen der Vorlesung „Aktuelle Themen der Digitalen Psychologie“ hielt Philosoph Dr. Reinhardt Albrecht, Vater von Hochschuldozent Dr. Malte Albrecht, einen Gastvortrag über Digitalisierung und Ethik.

Dr. Reinhardt Albrecht beschrieb zunächst drei Schwerpunkte, die seinen philosophischen Werdegang ausmachen. Zu Beginn war die Sozialphilosophie stark ausgeprägt, gefolgt von einem Studium der Philosophie Hegels. Anschließend setzte er sich mit den Grundinspirationen der Geschichte des Philosophierens sowie mit Positionen französischer Philosophen der Postmoderne auseinander. Zur Thematik der drei Schwerpunkte sind wissenschaftliche Veröffentlichungen von ihm erschienen. Nebenberuflich arbeitete er 15 Jahre lang als Hochschuldozent für Philosophie.

„Unser Verständnis der Realität kehrt sich um.“

Was verstehen wir traditionell unter Ethik? Was bestimmt heutige Ethik? Welche Relevanz hat die Erfahrung der Dämmerung einer digitalen Revolution? Diese Fragen diskutierte Dr. Reinhardt Albrecht mit den Studierenden.

Einleitend erklärte er, die Ethik sei ein Teil der Philosophie und diese „die Liebe zur Weisheit.“ Weisheit, so der Gastreferent, habe ihren Anfang im Staunen und gehe über rein rationales Argumentieren und Wissenschaftlichkeit hinaus, ohne letztere zu ignorieren. Daraus folge, dass sich die Philosophie gegenüber ihrem Diskussionsgegenstand zurücknehme und ihn ohne ideologische Zwänge betrachte. Mit dieser Zurückhaltung erläuterte er die Situation gegenwärtiger Ethik und die ethische Relevanz der Digitalisierung. Dabei hob Dr. Reinhardt Albrecht die grundlegende Transformation der Moderne hervor und erklärte: „Unser Verständnis von Realität kehrt sich um. So kam der Quantenphysiker A. Wheeler zu dem Schluss, dass unsere Welt mehr von Informationsvorgängen als von physischen Kräften bestimmt wird.“

Philosophische Ethik muss Fragen an die Digitalisierung richten

Die philosophische Ethik sehe sich noch nicht in der Lage, das Phänomen der digitalen Revolution überzeugend auf den Begriff zu bringen. Allerdings kann sie die bereits jetzt erkennbaren positiven wie negativen Auswirkungen auf die Wirklichkeit von Subjekt, Gesellschaft, Staat und Welt sehr ernst nehmen und kritische Fragen an die Digitalisierung richten, die der Referent ausführlich unterbreitete. Abschließend fasste Dr. Reinhardt Albrecht seine Überlegungen folgendermaßen zusammen:

  1. Digitalisierung leite sich her von einer Bestimmung der Wirklichkeit der Materie durch die Quantenphysik bzw. Quantenmechanik. Eine unmittelbare Übertragung eines naturwissenschaftlich-technischen Modells der Wirklichkeit auf die Wirklichkeit von Personen, Gesellschaft und Staat sei wenig überzeugend.
  2. Digitalisierung bleibe letztlich ein Instrument des Menschen, so sehr es auch seine Welt mit ungeheurer Potentialität verändert.
  3. Man solle der Thematik der Digitalisierung, angstfrei, offen und verantwortungsbewusst gegenübertreten. Wichtig sei der wache Geist und die Bewahrung von Humanität.
Die Studierenden des Masterstudiengangs Digital Psychologie M.Sc. mit Dr. Malte und Dr. Reinhardt Albrecht.
Die Studierenden des Masterstudiengangs Digital Psychologie M.Sc. mit Dr. Malte und Dr. Reinhardt Albrecht.
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