20.01.2020

„Bildung muss zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen beitragen!“

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Ein Kommentar von Claudia Schmiderer, Kommissarische Studiengangsleiterin Medien- und Kommunikationsmanagement (B. A.), Dozentin Kommunikationsmanagement im Fachbereich onlineplus.

Hochschule im Wandel? Bildung im Wandel?

Inmitten der inzwischen in die Hunderte gehenden Welt-, Jahres-, Aktions- und Gedenktage, die jedes Jahr mehr oder weniger zelebriert werden, ist der Internationale Tag der Bildung mit einer der jüngsten. Neben dem Internationalen Frauentag (seit 1911 am 8. März), dem der Weltmännertag (seit 2000 am 3. November, ein Aktionstag zur Männergesundheit, denn alle Rechte haben sie ja bereits lange) zur Seite gestellt wurde, oder dem Internationalen Tag der Pressefreiheit (seit 1994 am 3. Mai) finden sich unzählige, oft sonderlich anmutende „Feier“-Tage auf der Liste: Der Tag des Windbeutels, der Welttag der Jogginghose oder des Schneemannes, der Tag der Minzschokolade, der Kauf-Nix-Tag (aber wer kann schon am 26. Dezember, in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ein allgemeiner Feiertag, etwas kaufen? Obwohl: Online geht immer) oder der Welt-Nichts-Tag (was immer dieser beinhaltet – oder auch nicht).

Welttag der Bildung erst seit 2018

Der International Day of Education wurde erst am 3. Dezember 2018 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen proklamiert, „in celebration of the role of education for peace and development”, das heißt am 24. Januar 2019 wurde der Welttag der Bildung zum ersten Mal überhaupt gefeiert. Ganz schön spät angesichts der Häufigkeit des Begriffs Bildung im Vergleich zur Minzschokolade in Neujahrsreden, Regierungserklärungen, Parteiprogrammen, Arbeitsmarktprognosen, Zukunftsvisionen etc. Gerade erst hat Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer eine „massive Bildungsoffensive“ für Deutschland gefordert, die Aus- und Weiterbildung müsse insbesondere in Hinblick auf die Digitalisierung verstärkt werden, um so die „Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen“ zu stärken.

Was soll Bildung?

Hier stellt sich aber doch die Frage nach dem, was Bildung ist und soll? Brauchen wir sie, um den Interessen von Staat und Wirtschaft zu genügen? Das heißt, um letztlich zuträgliche, gewinnbringende Erwerbsarbeit zum Wohle aller zu leisten. Oder wie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung formuliert, Menschen zu befähigen, „sich als selbstbestimmte Persönlichkeiten in einer sich beständig verändernden Gesellschaft zurechtzufinden und verantwortungsvoll ihre eigenen Lebensentwürfe zu verfolgen“? Ist Bildungspolitik nicht „weit mehr als eine Magd der Wirtschaftspolitik“, wie es Ralf Dahrendorf 1965 in seinem Plädoyer „Bildung ist Bürgerrecht“ gefordert hat?

„Digitalisierung auf einen rein technischen Prozess zu beschränken, würde zu kurz greifen.“

Den Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus 2019/2020 zufolge, waren noch nie so viele Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben, was doch ein recht gutes Licht auf die (Hochschul)Bildung in unserem Land werfen dürfte. Dennoch zeigen Untersuchungen, dass die Digitalisierung, die in oben erwähnten Reden und Programmen noch häufiger als Bildung vorkommt, bislang noch zu keinen innovativen und grundlegend strategischen Veränderungen geführt hat – zumindest flächendeckend. Wenngleich gerade im Rahmen von Fernstudiengängen solche Veränderungen möglich sind und sein müssen. Denn Digitalisierung auf einen rein technischen Prozess zu beschränken, würde zu kurz greifen. Vielmehr wird dieser Metaprozess im Gefüge unserer Gesellschaften tiefe Spuren hinterlassen und je eher wir damit beginnen, alle Mitglieder an diesen Prozessen teilhaben zu lassen, desto positiver dürften die Aussichten auf Zukunft für alle sein. So werden wir sicherlich auch unser Bildungsverständnis, das in der Gutenberg-Galaxis wurzelt, für die digitale Epoche über- und neu denken beziehungsweise erweitern müssen.

Statt belehrend, allein lernend, mit vorgegebenen Ergebnissen und Bedeutungen konfrontiert werden wir größeres Interesse am Erforschen haben, uns im Austausch mit Lehrenden und anderen Studierenden befinden und uns neugierig auch neuem, kritischem und kreativem Denken öffnen. Denn über das reine Wissen hinaus, das unbestritten die Voraussetzung für Kompetenz schafft, brauchen wir künftig mehr Fähigkeiten und vielleicht auch Mut zu ungewöhnlichen Kollaborationen, zu Neugier und daraus erwachsender Kreativität und zu kritischer Kommunikation. Damit würde dann auch Artikel 26 „Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung“ der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte mit Leben gefüllt, wonach Bildung „auf die Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein [muss]. Sie muss zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.“

Good Morning, New Year!

Claudia Schmiderer ist Kommissarische Studiengangsleiterin Medien- und Kommunikationsmanagement (B. A.) und Dozentin Kommunikationsmanagement im Fachbereich onlineplus der Hochschule Fresenius.

Bildquelle: seb_ra/iStock

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